Willkommen!

Guten Tag, weißer Wintertag!
          Sei herzlich gegrüßt!
                Wie immer du fühlst
unser Sehnen und Hoffen.
Drum schenkst du uns
                  wärmenden Schnee:
Windchen, weh! Windchen, weh!..
Du weißt es ja gut,
               wir lieben es nicht,
verstaubt in der Stube zu hocken.
Drum säst du und säst
            deine flaumigen Flocken
und bedeckst alle Felder
            mit samtweichen Decken.
Denn kalt ist im Winter das Wetter.
Du tust es aus Liebe
          zu uns, den Erdenkindern.
Aus Liebe zu unserem Leben,
      zu unserem Hoffen und Sehnen.
Zu unserer Freude.
Daß die Menschen ja weniger leiden.
Denn du weißt:
        Das Menschsein –
            es ist ja nicht leicht.
Selbst der Sommer birgt manchmal
                 auch Herzenskälte,
und der Herbst
            spendet Güte und Wärme.
Auch du, weißer Wintertag,
            kennst Freude und Leid:
Es ist nun mal Winterzeit.
       Und es bringen deine Brüder,
die kurzen Wintertage,
              und deine Schwestern,
die langen Winternächte,
          auch Stürme und Fröste…
Doch an Prüfungen sind wir gewöhnt.
Wir wollen sie furchtlos
                wie je überstehn!..
Und im Frühling wir sagen
                   euch Wintertagen
und euerem gütigen Schnee
          ein herzliches Dankeschön
und ein warmes Auf-Wiedersehen.

                                 13. November 1985

Wenn Freude und Leid du geteilt

Wenn früh schon am Morgen die Steppe
mit Arbeit die Freude gemacht,
so wird sie am Abend dich betten
ganz weich in die Kissen der Nacht.

Und hörst du Musik in den Reimen,
die heute der Tag dir gereimt,
so werden zur Tat deine Träume,
die gestern du sehnlich geträumt.

Und wenn im Gezwitscher der Schwalben
dein Ohr ihre Eintracht vernimmt,
so hellen sich auf jene Farben,
die manchmal dich traurig gestimmt.

Und wenn eine einfache Blüte
mit Hoffnung dich wieder beseelt,
so hat es an menschlicher Güte
im Leben dir nie wohl gefehlt.

Wenn Freude und Leid eines Fremden
du stets ohne Zauder geteilt,
so werden die Menschen dir schenken
Vertrauen zu jedweder Zeit.

(Wenn Freude und Leid deiner Heimat
dein Herz ohne Zauder geteilt,
der Zuversicht sittliche Weihe
von Kälte und Trübsinn dich heilt.)

1983

Es ist noch nicht zu spät

Kein Wölkchen. Rings brütende Hitze.
Schwer atmet heut wieder das Land.
Mit sengenden Stichen zerschlitzen
die Strahlen sein grünes Gewand.

Kein Windhauch. Unheimliche Schwüle
drückt dumpf auf das lechzende Feld.
Es schmachtet nach Regen und Kühle
die grünende, blühende Welt…

Und endlich, nach glutheißen Tagen,
erhebt sich ein rechtschaffner Wind,
und grauschwarze Wolken schon jagen
am nächtlichen Himmel dahin.

Und lilane zuckende Blitze
zerreißen das Dunkel der Nacht.
Ganz heimlich versteckt sich die Hitze:
Der Morgen hat Regen gebracht.

Die Erde trinkt gierig den Regen.
Der Wind hat ihn zeitig bestellt:
Mag blühen und reifen zum Segen
der Menschen das liebreiche Feld.

1983

Neue Lebensfreude

Wer hört da nicht
den frohen Frühling
klingen?!
Er eilt in Wiese,
Wald und Feld hinaus.
Und seine Lieder
breiten ihre Schwingen
zu weiten Flügen
wieder kraftvoll aus.

Und alles singt,
was schlief und schwieg
noch gestern.
Und mancher Traum,
den die Natur geträumt
ganz still und stumm
in langen Winternächten,
als buntes Leben heute
braust und schäumt.

Ein Überstehen
und ein Überwinden
trotz Winterkälte
und trotz Einsamkeit.
Ein Wiedersehen
und ein Wiederfinden
im Schicksalslauf
und im Gewirr der Zeit.

Ein neuer Frühling.
Neue Lebensfreude.
Ein Stelldichein,
das alle Welt ergreift.
Ein Wiederkehren.
Ein Beisammenbleiben.
Weil die Natur
sich immerfort erneut.

25.03.1985

Es jubeln die Farben

Eiszapfen. Qualmende Dächer.
Wasser, mit Altschnee vermengt.
Straßen mit rieselndem Lächeln.
Sonne, die Wärme uns schenkt.

Nehmen nun Abschied die Schmerzen?
Sind deren Schreie verhallt?
Frühlingt es endlich im Herzen?
Grünen die Hoffnungen bald?

Schmilzt nun das Eis deiner Seele?
Wünscht sie sich Wärme herbei?
Will sie sich dennoch zerquälen
still auch im grünenden Mai?

Laß dich vom Frühling umarmen!
Höre, wie fröhlich er singt!
Siehe, es jubeln die Farben
frühlingsfroh,
          licht
               und beschwingt!

10.03.1985

Rhythmische Ode

Ja, alles wohl hat seine Rhythmen:
die Sonne, die Erde, die Sterne;
das Jahr und der Tag und die Nacht;
der Frühling, der Sommer, der Winter,
der Herbst, der versöhnlichgestimmte;
die Wiesen, die Felder, die Fernen,
der Wald und der flüsternde Bach;
die Distel, das Wiesenschaumkraut,
die Kornblume, kornblumenblau;
Musik und Gefühl und Gesang
und selbst der verklungene Klang;
das Herz und der Pulsschlag der Zeit.
Und rhythmisch – sind Ebbe und Flut.
und fließt in den Adern das Blut.
Und rhythmisch sind Bauwerk und Plastik.
Und rhythmisch – obgleich auch noch klassisch –
ist heute die neue Gymnastik,
die anders Aerobik noch heißt…

Und rhythmisch ist jede Bewegung,
und rhythmisch ist jede Begegnung,
mit frohen und plastischen Mustern –
grazil, graziös und illuster.
Was wäre die Welt ohne Rhythmen!
Von Rhythmen ist alles ergriffen!
Beileibe dabei nicht vergessen
(drum eben besonders erwähnt):
Entlastung des Nervensystems!
Beseitigung jeglichen Stresses –
ob körperlich, nervlich, ob psychisch
die Überlastung auch war!
Voran geht die Arbeit dann rhythmisch:
Der Rhythmus des Lebens ist tüchtig!
Ja, alles ist rhythmusgeladen!
Und rhythmisch sogar ist die Liebe…

Nur eines ist leider nicht klar…
Wie schade, wie schade, wie schade:
Die Verse allein werden jetzt –
als Gleichgültigkeitsintermezzo
entgegen den Dichtungsgesetzen –
so oft ohne Rhythmus geschrieben!

1985

Mein Weg zur Poesie – 2

Erst schien es mir, als sei mein Weg
zu dir von Licht umflossen,
und wie die Lerche in den Lüften
jubelte mein Herz…
Doch blieben mir die Türen
deiner Seele fest verschlossen –
mit schwerem Stand
da jeder Zugang abgesperrt.
Und mich umgab noch lang
der rauhe Frost der stummen Zeilen.
Doch kam ich immer wieder
her und klopfte leise an
und konnte träumend nächtelang
an deinen Pforten weilen,
wo heimlich mir die Stille
zaubervolle Lieder sang…

Und dann ergriffen mich erneut
der „Faust“ des weisen Goethe
und Schillers „An die Freude“
in der Neunten Sinfonie
des großen Beethoven, –
von mir bis heute angebetet,
als ungestüme Leidenschaft,
Musik und Poesie,
als Freiheitsdrang der Völker
hier auf unserem Planeten,
als Kampf um Völkerfrieden
auf dem grünen Erdenreich,
als Herzblut, das der kühne
Geist bereit ist, hinzugeben,
damit der Welt die Menschheit
immerdar erhalten bleibt.

24.02.1985

Stimmen und Stimmungen

***

Im Gewirr der Jahre,
die da gehn und kommen,
hör ich immer wieder
rings die weichen Klänge
jener schönen Lieder,
die du deinem Jungen
und danach den Enkeln
oft und gern gesungen…
In der kühlen Erde
ruhst du heute friedlich,
aber deine Stimme,
sanft und warm und innig,
hör ich weiterklingen
in den frohen Liedern,
die nun meine Töchter
ihren Kindern singen.

***
Mußt du deine
schlechte Laune
ausposaunen,
rauher Wind,
in alle Welt
und verneinen
meine Träume,
weil die Stille
dir mißfällt
und dich verstimmt?

***
Wenn die Stachelbeeren
ohne Stacheln wären…
Stachlige Gedanken!
Denn die Beeren – höre! –
stechen dich ja nicht.
Mit seinen Nadeln sticht
der Beerenstrauch nur den,
der im Vorübergehn
gleich mit der ganzen Hand
nach allen Beeren langt.

***
Wenn wir alles hätten,
was das Herz begehrt,
hingen wir wie Kletten
wollustübersättigt
an des Überflusses
aschfahlviolettem
abgetragnem Kleid –
verrannt,
          enttäuscht,
                      verstört,
vor lauter Ödigkeit
dem Dunkel zugekehrt.

***
Die innere Stimme
vermag zu erinnern
uns wieder und wieder
daran, was gewesen.
Und stets sie uns warnt:
An Falschem geh nimmer
gleichgültig vorüber –
wo manchmal sich Böses
als Gutes und Schönes
verführerisch tarnt.

                           1984

Mit leichten Flügelschlägen

Die Nacht ist schwül und dunkel.
Du findest keinen Schlaf.
Die Hoffnungsfunken schrumpfen.
Am Herzen Kummer nagt.
Du pilgerst in die Weiten
und suchst nach jenem Ort,
wo alle Träume reifen
wie auf ein Zauberwort…

Die Welt ist voller Wunder.
Doch selten eins geschieht…
Und kommt die rechte Stunde,
so sing auch du dein Lied
von frühlingsblauen Weiten,
von Freude und von Leid,
denn noch zu allen Zeiten
verweilten sie zu zweit…

Mit leichten Flügelschlägen
steigt hoch das Morgenrot.
Der graue Nebelregen
der tiefen Herzensnot
verzieht sich in den Tälern
perlmutterfarbenblau
und funkelt dir entgegen
als morgenfrischer Tau.

                           26. März 1985

Es lohnt sich zu leben!

Auch wenn der Himmel manchmal trüb,
so leben, träumen wir und hoffen…
Die Hoffnung ist ein Wiesengrund,
wo viele bunte Blumen blühen,
und wenn die Sehnsucht dich ergreift,
eilst du ins Wiesental hinunter
und suchst nach jenem Gnadenort,
wo jene Blume blühen müßte –
die einzige allein ringsum -,
die deine Leiden lindern könnte…

Du suchst so lang, wie du gehofft,
doch kannst die Blume du nicht finden
und bist enttäuscht wie nie zuvor…
Und dann geschieht ein Blumenwunder:
Ein kleines blaues Blümchen grüßt
(das früher du noch nie gesehen
und deinem Herzen unbekannt)
bescheiden dich und leicht benommen.
Mit zarten Blütendolden winkt´s
dir zu und heißt dich froh willkommen…

Du drückst das Blümchen an die Brust,
schöpfst neuen Mut in stiller Hoffnung.
Und ungestüme Lebenslust
und Lebensfreude wieder knospen.
Es wird ums Herz dir wieder leicht,
und ferne Weiten wieder locken,
und neue Blütenträume reifen,
und neue Sehnsüchte ergreifen
dich wieder wie vor Jahr und Tag:
Die Welt ist schön
              und hoffnungsreich!

9.03.1985