Es gilt, die Menschheit zu bewahren!

Gewichste Herren sitzen
in atomgeschützten
Überlebungsbunkern
und beraten in erhitzten
Redensarten ihre fixen
Wahnideen. Neue Pläne
schnitzen die gewitzten
Herren: Wie sie mixen
könnten einen heißen Punsch
nach eigenem Rezept und Wunsch.
Ein balsamspritziges Getränk,
das sie allmächtig machen würde –
und koste es Milliarden Dollar.
Doch das es Milliarden
Menschenlebem kosten würde,
sogar den einzigartigen Planeten
(und damit natürlich auch
das wenig weise Weiße Haus),
dies apokalyptische Getränk –
das macht den blubespritzten
Übermenschen absolut nichts aus.
Sie hoffen ja zu überleben!
Und diesem Suff ergeben,
sind sie bereit, für immer
das Erdrund zu zertrümmern…
Und die Bunker mit den Herren?
Werden sie im Weltraum
ewiglich dann schwimmen
wie die Arche Noha
zur Zeit der Bibelsintflut,
um nach Millionen Jahren
die Sonderabkömmlinge
im Makrokosmos auszupflanzen?..
Es gilt, o Erdenskinder,
die Menschheit vor dem Untergang
hier auf der Erde zu bewahren!

                                   1983

Veilchen

Fühlst, Veilchen, du
dich nicht beengt,
seit ich zu dir gefunden?
Blüh auf, wenn dich
kein Leid bedrängt,
blau, wie im Wiesengrunde.
Mit deinem Blütenflor,
dem immer sommerblauen,
bist du ein wahres Wunder
auf meiner Hoffnung Auen:
Vertraut vom hohen Firmament
auf mich herunterschauen
hell wie Signallaternen
die fernen blauen Sterne.

                        24.08.1982

Der Ringelregen

Ich wähle heut
ein anderes Kapitel
und schlage nach
in einem Buch.
Die innere Unrast
ist ein gutes Mittel,
um zu entdecken,
was das Herz gesucht.

Ich glaube kaum,
man könnte Ruhe finden
im Kampfgetöse
der Gedanekenwelt.
Und heute weiß ich:
Wenn Gedanken zünden,
ergreift dich ein Gefühl,
das lichterhellt.

Ich galube kaum,
die Stille sei imstande
(da ihr seit je
die Leidenschaften fremd),
ihr Schweigen promt
in Sturmwind zu verwandeln,
wie ihn des Herzens
Sehnsucht kennt…

Die roten Rosen
sollen Rosen bleiben.
Die Königin der Blumen
sei geehrt.
Doch auch das Gänseblümchen
Ringelreigen
ist aller Achtung
und des Lobes wert.

Mitunter wirkt
der Flitterkram bestechend.
Doch man erkennt ihn
ohne große Müh.
Das Schöne liegt
nicht an der Oberfläche,
es strahlt von innen her,
voll Harmonie…

Du fühlst, mein Freund,
ich habe nachgeschlagen
im bunten Buch
der Stimmungpoesie.
Wenn du bereit,
das Zauberbuch zu fragen,
erklingt darin
die schöne Melodie.

                                   1984

Spruch zum Neujahr 1990

Mattheit
            in den Gliedern nach der Bändigung…
Glatteis
            Auf den Straßen der Verständigung.
Schmücken
Zwist und Streit die Glaubensreinigung?
Brücken
            baut – zum Dom der Völkereinigung!

                                   01.12.1989

Vom Guten und Bösen auf unserem Wege

Die Wogen des Großen Oktober –
sie spülten hinweg,
            was verfault und vermodert,
und fegen auch heute von Dreck,
            was vermieft und verlogen.
Und aus den Annalen der Jahre
kann jeder die Wahrheit erfahren,
die lautere Wahrheit
            die sie niemals versteckt.

Ach nein, unser Weg war nicht leicht.
Den Vätern und Söhnen und Enkeln
haben die Sorgen schon immer gereicht.
All das, was im Lande errichtet
in der siebzigjährigen Geschichte,
ist alles das Werk ihrer fleißigen Hände,
ist Schöpfung und Tat aller ehrlichen Menschen,
die offtmals auch bitter gelitten,
wenn heraufzog ein böses Gewitter.
Ihr Leben war oft ein Wir-Müssen.
Doch immer blieb rein ihr Gewissen.

Die gellenden Flammen des Bürgerkrieges,
der damals spontan rings entbrannte,
die totale Zerrüttung des Landes,
die drückende Not und der bittere Hunger;
der zynische Aufmarsch der Intervention
und die schmutzige Wirtschaftsblokade
der fauchenden, frechen Entente –
sie wurden allmählich bezwungen.
Auch das waren Schritte der Revolution
und Treppenaufgänge des Sieges…

Jeder Weg hat ein Ziel, einen höheren Zweck.
Der Gerechtigkeit strahlendes Licht,
ein Leben, gelebt nicht vergebens,
eine Welt, die uns Frieden verspricht,
waren noch immer das Ziel unsres Weges.
Doch führte er oft über steinige Halden und Klippen…
Was ein aufrichtiger Mensch alles kann!
Natürliche Freuden verspürend,
voll Hoffnung und Zuversicht, schritten
die Bahnbrecher mutig voran –
von der Härte des Kriegskommunismus
hinüber dann über die Riffe
der verwickelten, kichernden NÖP
bis zu en Lichtern der Schwerindustrie,
bis zu den Früchten der Kollektivierung.

Dabei auch Verstöße und Sünden.
Verdrehung, Verzerrung, Verwirrung.
Und schmerzliche Rückgratverkrümmung.
Und so viele der Besten, die das Beste verfochten,
mussten ihr Werk mit dem Leben bezahlen –
sie fielen in den dreißiger Jahren
dem Personenkult Stalins zum Opfer.

Doch blieb unser Ziel – der Sozialismus,
der wahre,
            worum wir auch heute noch ringen…
Und als die faschistischen Räuber
                                   unser Land überfielen,
hat wieder das Volk seine Treue
            zur sozialistischen Heimat bewiesen
und in blutigen Schlachten
                                   errungen den Sieg.
Das Blut der Millionen,
                                   die damals gefallen, –
es flammt als Gedankenfeuer auf den Pylonen
der Mahnmale all diese Jahre,
es prangt in den Blüten der Frühlingspäonien
als Sinnbild der menschlichen Güte
und pocht in den Adern der Enkel als Warnung:
Verdammt sei auf ewig der Krieg!..

Noch so manche bedrückende Zeiten
finden sich in den Annalen.
Um so mehr aber wärmede Strahlen
der Hoffnung, die nie uns verließ.
Vorbei war der schreckliche Krieg.
Armut, Ruinen und Trümmer.
Niedergebrannte Dörfer und Städte…
Drum hieß es, von neuem beginnen…
Wieviel Mühe und Kraft waren nötig,
um die Wunden des Krieges zu heilen!

Allmählich begannen die Fluren
des Friedens wieder zu grünen.
Man atmete durch. Man atmete auf:
Glaube und Zuversicht, sonnenbeschienen.
Und Schritt um Schritt, und Stufe um Stufe
bauten wur unser ruhiges Haus.

Es wurde nun nicht mehr geschossen.
Es wurde nun Neuland erschlossen,
es wurden moderne Betriebe gebaut
und Bahnen ins Weltall gebrochen:
Der Weg in die Zukunft liegt offen,
wenn friedlich das Himmelszelt blaut…

Doch schlichten sich ein mit der Zeit
Versehen und Fehler und Mängel erneut.
So manches Verdächtige war nun erlaubt,
womit sich der Mensch
            seiner Menschlichkeit selber beraubt.
Und siehe:
            Schon machte das Übel sich breit.
Mit Prunksucht und Trunksucht
                        Betrug und Bestechung
verstand es das Böse,
                        sich grausam zu rächen.
Die Wahrheit?
            Sie ward in die Zange genommen.
Die lumpige Lüge begann zu florieren.
Und so mancher Taugenichts
                        spielte den Frommen
und suchte ein gottloses Leben zu führen
und „gottvoll“
            auf den „Haufen“ zu schauen von oben.
Und die Sorgen und Nöten all derer,
die im Werk ihren Mann ständig stehen,
die wirken und weben und säen,
wurden ganz leise zur Seite geschoben…

Das Gute und Böse auf unserem Wege
Standen sich ständig
            und stehn sich auch heut gegenüber.
Jedoch triumphiert Mephisto wie immer zu früh.
Das Licht der Gerechtigkeitsliebe,
die Wärme der wirklichen Demokratie
und die Sonne der menschlichen Güte
vermochten das dunkelste Dunkel des Bösen
sogar in der schwierigsten Zeit zu besiegen.

Wir sind nicht nur ehrlich entrüstet
Über den giftigen Dunst
            der sittlichen, dreisten Delikte.
Es wird auch zur Tat nun geschritten.
Und Mark ist genug in den Knochen
                        der Umgestaltungsepoche.
Und es gibt auch genug
                        therapeutische Mittel,
um Schafmützenbrüder,
            die wohlig im Amtssessel nicken,
aus dem Dornröschenschlafe zu rütteln…
Wir sind Realisten.
            Und erfahrungsgemäß Optimisten.
Und unsere Losung heißt:
                        Mehr Sozialismus!

Und das Böse und all seine Übel
müssen im heftigen Kampf
mit dem Guten und Schönen und Lichten
In unserm Vormarsch allendlich verspielen.

                                               1987

Erwartung und Glauben

Halb gehst du,
halb schwebst du
auf weiß-weichen Wolken,
o Mutter, als Sinnbild
der Weisheit des Volkes,
der Wahrheit und Hoffnung,
der Unbeugsamkeit,
voll Güte und Liebe
wie Sonne am Morgen,
von irdischer Schönheit,
mit irdischen Sorgen,
voll seelischer Anmut
in Freud und Leid.
Du schaust nicht hinauf
zu den flimmernden Sternen.
Es kommt keine Hilfe
aus weltfremdem Fernen,
aus kosmischen Weiten
der Unendlichkeit.
Du betest nicht an
den verhangenen Himmel,
erwartest von dort
keine rettende Stimme,
Nur menschliche Wesen
sind opferbereit…

Noch bluten die Herzen
der gütigen Mütter.
Doch kann ihren Glauben
kein Kummer erschüttern.
Sie segnen die Söhne,
die aufbruchbereit,
im heiligen Streit
dem Mahnruf zu folgen –
dem Ruf des Gewissens -,
die Fahne der Wahrheit
und Weisheit des Volkes –
der Freiheit und Gleichheit
und Brüderlichkeit
auf Erden zu hissen.
Daß nimmermehr Kriege
die Felder verheeren.
Daß Eintracht und Frieden
denn immerfort währen.
Daß unser Zuhause
erhalten uns bleibt,
zum Wohl aller Mütter,
zum Wohl aller Völker
erblüht und gedeiht.

                        1983

Alles

Alles, was Löffel lecken kann,
greift heute mit an:
Neue Sternblumenbeete
werden wider gemacht
dort am Straßenrand,
weil die Frühlingssonne
uns allen so freundlich
und liebevoll lacht.
Und im Sommer sodann
soll die Sternblumenpracht
mit ihrem Blütenzauber
mit ihrem wiesenbunten,
flammenden Farbenfeuer
nicht allein nur das Auge –
die Herzen (!) erfreuen.
Deshalb greift alles,
was Löffel lecken kann,
so fleißig mit an.

                        1985

Ein blaues Veilchen

Es ist gewiß kein Wunder,
            wenn in verklärten Stunden
die Muse sacht erscheint
                        und in den Balladen reimt
von Lust und Jugendfeuer,
                        von Liebesabenteuern;
von frohen Wiedersehen,
            von Träumen, die verwehen;
vom Abschied, der so schwer,
            von Nächten, grau und leer;
von Wärme und von Kälte,
            von Blumen, die verwelken…
Auch du bist ja ein Teilchen
                        aus diesem Zauberreich –
ein kleines blaues Veilchen,
das blüht und dann verbleicht.

                                               1988

Arme Armut

Hast keine Stiefel
            Für zweihunderfünfzig?
So tanze strümpfig,
                        arme Armut!
Und sein nicht so
                        empfindlich!
Bekommst nur vierzig
Rubel Rente, arme Armut?
Für Salz und Brot
und grünen Tee es reicht!
Du hast kein Burda-Kleid?
Wozu? Sei froh –
            du hast ja eines,
das die Scham bedeckt.
Was willst du noch,
                        o arme Armut?!

                        1989

Grünende Hoffnung

Wieder und wieder vertiefe
ich mich ind die Sphären
            der quälenden Zweifel,
die oft mich umgeben
wie warnende Wolkengebilde,
            wie feuchtkalte Nebel,
und schleppe und schleppe
            mich langsam dahin
auf dem steinigen Wege
der Ungewißheit
            und der Fragwürdigleit,
worin, ach, worin
            denn der alles umfassende Sinn
der Erwartugn bestünde,
und kann es,
            und kann´s nicht begreifen:
Bin ich verwelkendes Gras?
            Bin ich ein knorriger Baum?

***
Ist es ein Zustand
            des Harrens und Hoffens,
in dem sich die Bäume
            und Sträucher und Gräser befinden?
Streben sie denn nur danach,
            um zu grünen und blüen
und Früchte zu tragen?
Sind sie betört und bestrickt
            von den Märchen und Sagen,
die ihnen die lustige Winde
zur Frühlings- und Sommerszeit
lebens- und farbenfroh dichten?
Ist es ihr einziger Traum,
            sich am strahlenden Licht
der Wiedergeburt zu erquicken?
Ob sie vor Frohsinn und Freude
            erprießen und zweigen?
Ob sie vor Wehmut und Leid
            sich im frostigen Herbst
bis zum Erdboden neigen?

***
Preisen die zirpenden Halme
            der grübelnden Gräser
                        den scheidenden Sommer
mit all seinen singenden Farben,
da froh sie gegrünt und geblüht,
und die tröstende Stimme
            des Glaubens vernommen,
alles sei licht
            wie die lachende Sonne
                        am heiteren Morgen,
alles sei hehr und erhaben,
alles sei schön auf der Welt,
wenn man dem Himmel,
            dem blauen, vertraut,
wenn man auf Hoffnung
            und Zuversicht baut?

***

Komme der Herbst
            dann mit reißenden Stürmen,
mit Regen und Nebel und Kälte,
mit salzigen, bitteren Tränen,
müsse, ach, müsse man Abschied
            vom Spätsommer nehmen,
müsse man langsam verwelken,
damit das Vertrauen
            im kommenden Frühling
der hohen Gefühle
aufs neue am Himmelszelt blaut.

***
Laßt mir die nagenden Zweifel,
laßt mir die drückenden Sorgen,
lasst mir die sanftblauen Träume,
            und wenn ich auch längst
                        wie das trockene Gras
und die knorrigen Wurzeln,
                        die Äste und Zweige
und rostige Blätter
                        zusammengepresst
und zum Teil schon versteinert!
All ihre Freude und Wonne
und all ihre Sehnsüchte
                        lasset mich teilen
mit ihnen, die einsmals
                        gestillt meine Leiden
mit ihrem erquickenden Grün!
Sind wir doch Kinder
                        der Erde und Sonne
und eilenden Zeit
                        und zu allem bereit.

***
Doch laßt mich zusammen
            mit ihnen ein Stündchen,
ein kurzes, noch weilen
und beten und bitten und leiden
für all meine Sünden,
            die blind ich vor Angst
oder Übermut manchmal begangen,
um hier einen Augenblick
            noch zu genießen –
das Grünen und Sprießen,
            das Wirken und Weben
und ewige zügige Streben,
das Kommen und Gehen,
            das Blühn und Verwehen
allhier auf dem irdischen Rund –
als Reminiszenz, die auf immer
zusammen mit uns dann verstummt.

***
Laßt uns dann scheiden
            in Ruhe und Frieden
und schlafen den ewigen Schlaf –
ob Sonne am Himmel,
            ob Sturm oder Regen…
Wenn nur, o wenn nur die herrliche Welt,
wo einst wir gegrünt und geblüht,
wo einst wir gehofft und geliebt,
wo Kummer und Leid
            und so manchmal ereilt,
erhalten stets bleibt
            und floriert und gedeiht.

***
Und uns, die wir Asche
            oder kühlende Schatten
der wanderneden Wolken
            am Himmelsdom sind –
in der Unendlichkeit,
            die die Ewigkeit heißt
und nimmer verrint,
so laßt und die Fluren
            des Mitleids und Mitgefühls
reichlich besprengen
            und freigebig düngen.
Und mögen dann wieder und wieder
die innigen Lieder
            der grünenden Hoffnung
für alle und alles erklingen!

                                   1988