*** O stille Nacht,

O stille Nacht,
     mach deine Tore auf
den Myriaden
           von Gefühlen.
Auf deinen Wiesen
       sprießt die Liebe
der Barmherzigkeit
und glüht
        im weichen Licht
der Himmelsgnade
sternenblau
         die Anteilnahme
am Leid des anderen,
     der ratlos schweigt
und dennoch
         sehnlich hofft,
nicht zermalmt zu werden
   von der Sorgenlast…
O stille Nacht
der heißen Leidenschaft,
um Hilfe fleht dich an
   die bange Einsamkeit.

                        1987

Meteor

Ralf Pfeffer in memoriam

So manche haben dich vergessen.
Doch viele denken oft an dich.
Es war dein Weg
               so kurz bemessen.
Mir scheint es heut
               noch unglaublich…

Du flammtest auf am Himmelsbogen
als glänzendheller Meteor.
Dein scharfer Geist
               schlug hohe Wogen.
Du schwebtest bis zum All empor.

Zum Weltenall der Blütenträume,
wo jeder Klang
               das Herz ergreift,
wo Rosen blühen auf den Steinen,
wo Liebesgram
             die Schönheit reift.

Wo Sonnenschein
             die milden Saiten
der Seelenpein
             zum Klingen bringt.
Wo in den unendlichen Weiten
die Liebe ihre Lieder singt.

Wo die Gedanken sich verneigen
vor dem Gefühl der Einsamkeit.
Wo alle Menschen
             MENSCHEN bleiben
trotz Kummer
             und trotz Herzeleid…

Ein Meteor… Er muß verbrennen.
Er leuchtet auf…
             Und er erlischt…
Den Lauf der Welt
             kann niemand hemmen.
Auch wenn dein Herz
             vor Schmerz
                    dir bricht.

7.01.1991

Ewige Liebe

Sterne am nächtlichen Himmel:
Lieder der klingenden Stille.
Ob für Verliebte sie flimmern,
daß sich die Träume erfüllen?..

Wieder ein seltener Anruf.
Kommt er aus kosmischen Weiten?
Ruft deine göttliche Sanftmut
an – aus vergangenen Zeiten?

Und ich vernehme im Hörer
deine beschwörende Stimme…
Könnten wir heut uns bekehren,
wären wir glücklich für immer.

Aber die Zeit ist bemessen.
Und es erblassen die Farben…
Ob wir im Weltall uns treffen,
um uns erneut zu umarmen?..

Ach, sind die Träume erhaben!
Werden sie nimmer entschwinden?
Finden wir dort jene Gnade,
die uns auf immer verbindet?

 09.11.1990

Mein Lied

Es war zu kurz der Februar,
verteidige ich dich.
Es ist noch lang genug das Jahr,
beruhige ich mich.

Und außerdem: Wenn in der Nacht
du mir im Traum erscheinst,
so bin ich freudig überrascht:
Du bist so jung wie einst!..

Es macht nichts aus, auch wenn du schweigst:
Das Tal der Hoffnung grünt.
Ich weiß, daß du im Traum mir schreibst.
Drum rühmt dich stets mein Lied.

Mein Lied, das manchmal stöhnt und weint,
doch zuversichtlich klingt.
Mein Lied, das uns im Traum vereint
und von Erfüllung singt.

01.03.1991

Kosmischer Kreislauf

Es blühen die Rosen.
Es klingen die Lieder
Es sprudeln die Quellen.
Es schäumen die Wogen.
Es funkeln die Farben.
Es grünen die Fluren.
Es blinken die Sterne.
Es lächeln die Jahre.

Die Jahre verrinnen.
Die Sterne verlöschen.
Die Fluren verkommen.
Die Farben verblassen.
Die Wogen verebben.
Die Quellen versiegen.
Die Lieder verklingen.
Die Rosen verblühen.

Es kommen und gehen
die irdischen Kinder.
Und Welten entstehen,
um dann zu verschwinden.

10.11.1990

Herbstfest der Bäume

Die hellgelben Ohrringe
zittern ganz leise,
es leuchtet und funkelt
das goldne Geschmeide:

Es schmunzelt die Espe,
zum Feste bereit,-
sie trägt heut ihr bestes,
ihr purpurnes Kleid.

Im schönen Oktober
sind bunt alle Räume:
Es feiern im Walde
ihr Herbstfest die Bäume.
Sie sind in Orange
und Bronze geschmückt
und singen und tanzen
und lächeln beglückt.

Sie nehmen jetzt Abschied
vom grünen Geflüster:
Ade, warme Tage!
Der Winter wird düster…
Doch kommt ja der Frühling
zum rechten Termin.
Dann werden wir wieder
ergrünen und blühn.

                        1987

Wenn auch gramgebleicht

Treppauf, treppab.
               Hinauf, hinab.
Und stets in aller Eile,
um länger hier zu weilen…
Dann stürztest du ins Dunkel
der Ewigkeit hinunter:
Es war die Lebenszeit –
                 zu knapp…

Du hättest noch so viel
                   erreicht –
in später Abendstunde
den Weg zur Ruh gefunden;
den Duft des Schnees genossen
und seinen Sinn erschlossen.
Und wenn vielleicht
              auch gramgebleicht.                                 23.12.1990

Müde Glieder

O nein, ich habe keine Angst.
Die komme, wie man sagt,
           erst vor dem Ende.
Und manchmal wird der Tod
    herbeigesehnt vom Leben…
Sie sind so müde –
        meine steifen Glieder.
Die alten Knochen
           sträuben sich
              und protestieren
Und meine Seele
    und mein krankes Herz –
sind noch viel müder.
Und meine Hoffnung,
          meine stillen Lieder
         verlieren
         sich im Sand der Zeit.
Und meine Tage
           werden immer trüber.
Und meine Nächte
sehnen sich nach Ruhe
               und Geborgenheit
und … finden keinen Schlaf.
Es geht den Berg hinab
            so nach und nach…

 28.08.1988

Fünf Milliarden

Fünf Milliarden sind wir jetzt.
Ob das viel ist oder wenig?
Ob das gut ist oder schlecht?
Für die Welt und dich persönlich.
Wird der Mensch von heut gerecht
seinem ehrenvollen Namen
wie dereinst die fernen Ahnen?

Wie die Dinge sich gestalten.
Wie wir uns dazu verhalten.
Einfach ist es sicher nicht.
Doch wir glauben nicht an Malthus
und auch nicht ans Weltgericht.
Wo Vernunft und Wille walten,
schreckt sogar der Tod zurück…

Immer mehr und mehr Probleme,
die uns ganz in Anspruch nehmen,
häufen sich allmählich an.
Ist ein Vorwärts dennoch möglich?
Gibt es dennoch ein Voran?
Steht der Mensch noch seinen Mann?
Ist sein Mühen nicht vergeblich?..

Ja, so vieles hat der Mensch errungen,
Seine Leistungen sind riesengroß.
Aber: Millionen heute hungern,
Millionen sind noch obdachlos.
Ist das nicht ein gräblicher Verstoß
gegen Menschenrecht und Menschlichkeit?
Heilt auch diese Wunden einst die Zeit?..

Oft entpuppt sich der Progreß
für das Leben als Regreß.
Und es wimmern stumm die Fische
in so manchen Seen und Flüssen.
Vögel schluchzen, Tiere weinen.
Schwer verwundet, stöhnen Bäume.
Rauchtornados, toll, verzehren
skrupellos die Biosphäre…

Und was tut der gute Mensch?
Mit den Unbilden er kämpft!
Mühsam atmet er und schwer,
setzt erbittert sich zur Wehr,
ringt und hofft noch um so mehr,
daß man diese Wunderwelt –
seine Welt! – ihm nicht zerstört.

1987

Farben der Kindheit

Die lebhaften, leuchtenden Farben
der Kindheit verlassen uns nie.
Wie oft sie im Traum uns umarmen,
von kindlicher Freude durchglüht!..

Die Kindheit ist heut mir erschienen!
Im löwenzahngelben Gewand.
Mit kornblumenfarbenen Liedern.
Und barfuß. Und sonnenverbrannt.

Pastellblaue Wolken am Himmel.
Und Weiten vergißmeinnichtblau.
Wir reiten auf Steckenpferdschimmeln
ins Märchenland fröhlich hinaus.

Die Kindheit ist wild wie der Frühling.
Sie rankt, und sie prangt, und sie lacht.
Wie farbenfroh sind die Gefühle,
die heute sie wieder entfacht!

Aus Träumen geflochtene Kränze –
violblau, karminrot und weiß.
Wir hüten wie damals die Gänse
am binsengrün glitzernden Teich.

Wir streifen durch sattgrüne Täler.
Der Mittag glüht teerosengelb.
Mit wogenden goldenen Ähren
empfängt uns das reifende Feld…

Die Farben der Kindheit bezwingen
im Alter das düstere Grau.
Sie leuchten und strahlen und klingen
so hell wie das himmlische Blau.

                                   1985