Der Sinn des Lebens

Ein Eichenbäumchen fragt
die mächt´ge Eiche,
die – ihre Zweige
galamäßig ausgebreitet –
am Waldrand steht,
worin… worin der Sinn
des Lebens denn bestände.

„Wir sind ja Eichen,
               Eichen nur,
jedoch ein Teilchen
                 der Natur
und hinterlassen
eine grüne Spur –
               als Zeugen,
daß wir nicht vergebens
einstens hier gelebt.

Wir sind ja Eichen,
sind ja nicht von Stein.
Vielleicht erreichen
wir fünfhundert Jahre:
Wer lebt, der hofft.
So denke dir nun, Kleine,
Wieviel Trost und Schatten,
wieviel Sauerstoff
allein zwei Eichenbäume
der Umwelt spenden!
Vielleicht hat das allein
schon seinen tiefen Sinn,
mein liebes Kind?

Und wir? Wir legen
jeden neuen Frühling
uns einen eichengrünen
Blätterschleier um
und gleichen Bräuten drum
und freuen, freuen uns,
weil die Welt ringsum
so hoffnungsvoll gestimmt.“

22. Juli 1987