Leb wohl, leb wohl!

                Amalia Mehlhaff gewidmet

Als leichtes Federwölkchen
            am Horizont der Liebe
ist sie im Traum erschienen.
    Kristallen. Und zerbrechlich.
Und hat ihm zugelächelt.
Und ein paar feine Splitter,
        mit Schwung herabgeworfen
aus Übermut, zerschmolzen
       auf seinen spröden Lippen.
Sie gleichen Wermuttröpfchen.
     Und Wermutwein, zwar bitter,
schmeckt immer wieder köstlich!..

Kein Wunder: manchmal träumen –
   am hellen Tag! – die Steine…
Der Felsen, alt und rissig
     und von der Zeit verwittert,
erwachte aus dem Schlummer
      und stöhnte laut vor Kummer
und konnte sich nicht fassen:
        Sie hatte ihn verlassen –
die zartgliedrige Stolze,
            die graziöse Wolke…
Und wieder Abschiedstränen:
   Leb wohl, leb wohl, du Schöne!

21. November 1990