Auf leisen Sohlen kommt die Dämmerung
und breitet ihre weichen Flügel aus:
Es dunkelt langsam, und der Lärm verstummt,
und tiefe Stille herrscht in meinem Haus…
„Wie kitschig und wie abgeschmackt!..“
„Tja… die Tradition, die Überlieferung,
was die Kultur hervorgebracht…
Ich weiß, daß dieses Bild
veraltet ist. Gewiß!
Und auch das Vermaß und der Reim
sind tausend Jahre alt und abgegriffen…
Erst wenn man alles – Form und Sinn! –
ganz zeitgemäß schön durcheinanderbringt,
gewinnt das Bild Gestalt…
Wozu den Kopf sich noch zerbrechen?
Wozu in Bildern denken?
Zum Henker mit dem Firlefanz!
Und das Gedicht ist schickmodern!
Ach nein doch, nicht von „Moder“;
von „Mode“ stammt das Modewort.
Und alles klingt – was überwichtig ist –
avantgardistisch (Sprich: awang-)!..
Und Sinn und Form; Empfindung und Gefühl
und Klang mit allem Drum und Dran?..
Wozu? Der Leser hat sein Recht auf Ruh!
Und damit basta! Wenn deutsch, dann Schluß!“
Und dennoch lähmt mir die Beschuldigung
den Willen wie ein Hexenschuß…
22. Mai 1989
