Vom Schander-Dörfchen
bis nach Gnadenflur
war´s gar nicht weit –
vielleicht drei Kilometer.
Ich machte diese Tour
dorthin und auch retour
alltäglich. Barfuß.
Ohne jegliches Gezeter.
Das ist schon lange her.
Doch jenes Bild –
es war noch im September
vierunddreißig –
vergeß ich nie.
Die Mutter lächelte so mild:
„Fast neue Schuh´, mein Kind.
Jetzt lerne fleißig!“
Die Schwester hatte sie
in Sichelberg gekauft.
Die Schuhe hatten
rote Gummisohlen!
Jetzt störte mich
kein Regen und kein Staub:
Ich könnt´ die Sterne nun
vom Himmel holen!..
Und große Augen sollte
machen – Gertrud Schmidt
(das hübsche Kind
war immer hübsch gekleidet!).
Und auf den roten
Gummisohlen schritt
ich stolz voran,
um meinen Blick
an ihr zu weiden.
14. April 1990
