Verblendet?

Vergeßlichkeit und Wurzellosigkeit
auf einer Seite der Medaille klappern
und meinen, daß die Welt und ihre Zeit
an einem Faden der Versuchung zappeln.

Und einstens – Hoppla! –
                       würde es geschehn.
Denn ohne Halt und ohne Stütze müßte
die ganze Welt, zerschellend, untergehen,
wenn er zerreißt – der Faden der Gelüste.

„Wozu noch Wurzeln und Gedächtniskram?“
frohlocken sie und schleichen
                        durch die Sphären
der Widersprüchlichkeit.
                        „Nur leerer Wahn!
Am besten ist’s, das Erbe zu zerstören.“

Drum stellen sie sich blind
                      und taub und stumm.
Kein Gestern. Und kein Morgen.
                           Nur das Heute.
Und das Gefasel von Erinnerung
nichts anderes als blanker Jux bedeute…

Verblendet? Wendet die Medaille um!
Sie hat zum Glück noch eine zweite Seite.
Dort seht und hört ihr die Erinnerung
um unser Gestern für das Morgen streiten.

1988