{"id":897,"date":"2020-05-14T13:22:23","date_gmt":"2020-05-14T13:22:23","guid":{"rendered":"http:\/\/hermann.arnhold.eu\/?p=897"},"modified":"2020-05-14T13:22:23","modified_gmt":"2020-05-14T13:22:23","slug":"der-weizen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arnhold.eu\/?p=897","title":{"rendered":"Der Weizen"},"content":{"rendered":"\n<p>Fast vierzig im Schatten.<br>Der Sonnenball gl\u00fcht.<br>Am bl\u00e4ulichen Himmel<br>kein W\u00f6lkchen mehr zieht.<br>Die Glieder der Menschen<br>von Hitze ermatten.<br>Doch hat jetzt der Landmann<br>zur Rast keine Zeit:<br>Der Weizen, der Weizen,<br>der Weizen ist reif!<\/p>\n\n\n\n<p>Wer hat da verschlafen<br>in seinen Gemachen?<br>Wer will da nicht schwitzen<br>trotz Schw\u00fcle und Hitze?<br>Wer sucht da nach Schatten?<br>He, Erntezeitritter,<br>hinauf in den Sattel!<br>Es schnaubt und es stampft schon,<br>von Unrast ergriffen,<br>dein st\u00e4hlernes Ro\u00df!<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; * * *<br>Nun ziehen die &#8222;Niwas&#8220;<br>in langen Kolonnen<br>die Stra\u00dfe entlang.<br>Und niemand sucht Schatten.<br>Die M\u00e4hdrescher rattern<br>schon drau\u00dfen im Felde.<br>Die Mahd hat begonnen:<br>Hier m\u00e4hen die Helden<br>der Erntebrigaden<br>des Drushba-Sowchos.<\/p>\n\n\n\n<p>Die surrenden T\u00f6ne<br>den Bauern erfreuen.<br>Die H\u00e4nde gew\u00f6hnen<br>sich schnell an das Steuer.<br>Und Schwei\u00dfperlen rinnen<br>ihm \u00fcbers Gesicht.<br>Sie st\u00f6ren jedoch<br>den Kombinefahrer nicht &#8211;<br>er wei\u00df und er tut<br>seine menschliche Pflicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Land braucht Getreide.<br>Die Heimat braucht Brot.<br>Denn niemand soll leiden<br>je Hunger und Not.<br>Die Macht ward erobert<br>im Gro\u00dfen Oktober.<br>Von da an war immer &#8211;<br>und bleibt es auch f\u00fcrder &#8211;<br>der Wohlstand des Volkes<br>das erste Gebot&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Und Schwad neben Schwad.<br>Wie verzauberte Strahlen.<br>Vom M\u00e4hdrescher sorglich<br>zusammengelegt.<br>Die goldgelben Reihen<br>dem Felde verleihen<br>hier Farbe und Glanz,<br>die mit flei\u00dfiger Hand<br>im Bund mit der Sonne<br>der Landmann gepr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; * * *<br>Wer rastet, der rostet.<br>Viel Arbeit und M\u00fche<br>und Geist es gekostet:<br>Ein Dutzend von Jahren<br>allm\u00e4hlich verflo\u00df,<br>bis da\u00df in der \u00f6den<br>und trockenen Gegend,<br>wo selten es regnet,<br>gedieh und erbl\u00fchte<br>der Neulandsowchos&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir nehmen den Wagen.<br>Aufs Feld wir heut fahren.<br>Die Fernen erwecken<br>den Eindruck, man jage<br>und k\u00e4me nach Tagen<br>trotz alldem erst an.<br>Rings endlos Steppen,<br>wo h\u00fcglige Ketten<br>bizarr sich erstrecken:<br>Zentralkasachstan!..<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Hier m\u00e4ht die Brigade<br>des Sowchosveteranen<br>und Helden der Arbeit<br>Wassili Konradi&#8220;,<br>mein Nachbar mir sagt.<br>&#8222;Und was sie so leisten?<br>Sie legen, erfahren,<br>von drei\u00dfig Hektaren<br>den Weizen auf Schwaden<br>fast st\u00e4ndig pro Tag.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt multipliziere<br>die drei\u00dfig Hektare<br>mit neun Aggregaten,<br>so siehst du, wie flei\u00dfig<br>hier schafft jedermann.<br>Es gibt im Rayon<br>keine zweite Brigade,<br>die so viel Getreide<br>bis heute gem\u00e4ht<br>wie das Neunergespann!..&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Grad wird eine Pause<br>f\u00fcr drei\u00dfig Minuten<br>zur Mahlzeit gemacht.<br>Es hat Frau Gertrude<br>direkt von zu Hause<br>das Essen gebracht:<br>Erst Sauerkohlsuppe,<br>dann Schorbraten, Nudeln,<br>dann Apfelmusstrudel<br>und Erdbeerensaft&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Guten Tag!&#8220;<br>&#8222;Sch\u00f6n gut&#8217;n Tag!&#8220;<br>&#8222;Und wie geht&#8217;s?&#8220;<br>&#8222;Na, es geht.<br>Am besten gewi\u00df,<br>wenn keine Niwe stillsteht.<br>Doch kann man das schlichten.<br>Wir schaffen in Schichten.<br>Wir m\u00e4hen am Tag<br>und auch oft in der Nacht.<br>So wird mit dem M\u00e4hen<br>kein Stillstand gemacht.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Na, Onkel Basilius,<br>ich hoffe, Sie f\u00fchlen sich<br>noch jung und gesund?&#8220;<br>Er zwirbelt den Schnurrbart:<br>&#8222;Da kann ich nicht klagen.<br>Zum Kranksein &#8211; da hab ich<br>keine Zeit und kein&#8217;n Grund.<br>Wo denkt Ihr nur hin?<br>Wenn krugom so viel Jungens<br>und M\u00e4delchen sind!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Es l\u00e4cheln die M\u00e4nner.<br>Es l\u00e4chelt Frau Trude&#8230;<br>&#8222;Na, Jungens, s&#8217;ist Zeit schon,<br>wir m\u00fcssen uns sputen!..&#8220;<br>Und wieder geht&#8217;s vorw\u00e4rts,<br>aufs neue ans Werk.<br>Jetzt m\u00e4hen die M\u00e4her<br>noch schneller und z\u00e4her,<br>nachdem sie mit Speise<br>und Trank sich gest\u00e4rkt&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Willst Kuchen du essen,<br>so mu\u00dft du ermessen,<br>wie gro\u00df jene Fl\u00e4che,<br>die heut man umf\u00e4chelt,<br>an Arbeit und Flei\u00df.<br>Und m\u00f6chtest du wissen,<br>ob rein dein Gewissen,<br>so frage die Schwaden,<br>sie werden dir sagen,<br>was Erntezeit hei\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ernte braucht M\u00e4nner<br>vom Schlage Konradis,<br>die arbeiten wollen<br>und arbeiten k\u00f6nnen.<br>Wo jeder ein Held.<br>Es kann sie nichts hemmen &#8211;<br>wenn Staubwolken segeln,<br>wenn Sonnenglut kegelt,<br>wenn Rauhnebel schweben<br>auch \u00fcber das Feld.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; * * *<br>Die Mahd geht zu Ende&#8230;<br>Wo flei\u00dfige H\u00e4nde<br>in Eintracht sich regen,<br>da bleibt auch der Segen<br>der Ernte nicht aus&#8230;<br>Nun f\u00e4hrt die Brigade<br>Wassili Konradis<br>zum R\u00e4umen und Dreschen<br>der trockenen Schwaden<br>aufs Feld schon hinaus.<\/p>\n\n\n\n<p>Und Weizen ist Weizen.<br>Gewi\u00df doch kein Welschkorn.<br>Die \u00c4hren jetzt eilen<br>hinein in den Dreschkorb.<br>Dort legen die K\u00f6rner<br>die Harnische ab &#8211;<br>die Spelzen und Grannen.<br>Sie haben sie satt.<br>Und gewandt und rasant<br>geht&#8217;s hinan in den Tank.<\/p>\n\n\n\n<p>Da kommen gefahren<br>Tschernych und Omarow &#8211;<br>ein jeder heut f\u00fchrt<br>einen Anh\u00e4ngerzug.<br>Erst hin zu Konradi<br>und zu Komissarow!..<br>Zu Schmidt! Und zu Schweizer!..<br>Im Nu ist verladen<br>der goldene Weizen.<br>Genug? Ja, genug!<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; ***<br>Einen Scheffel voll Weizen?!<br>Ja, es gab einmal Zeiten,<br>da verbittert die Steppe<br>ihre kostbaren Sch\u00e4tze<br>vor dem Menschen verschlo\u00df.<br>Um so mehr uns erfreuen<br>die erneuerten Felder,<br>die erbl\u00fchn und gedeihen<br>jetzt zum Wohl aller Menschen<br>hier im Steppensowchos.<\/p>\n\n\n\n<p>1983<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fast vierzig im Schatten.Der Sonnenball gl\u00fcht.Am bl\u00e4ulichen Himmelkein W\u00f6lkchen mehr zieht.Die Glieder der Menschenvon Hitze ermatten.Doch hat jetzt der Landmannzur Rast keine Zeit:Der Weizen, der Weizen,der Weizen ist reif! Wer hat da verschlafenin seinen Gemachen?Wer will da nicht schwitzentrotz Schw\u00fcle und Hitze?Wer sucht da nach Schatten?He, Erntezeitritter,hinauf in den Sattel!Es schnaubt und es stampft schon,von &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/arnhold.eu\/?p=897\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eDer Weizen\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-897","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arnhold.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/897","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/arnhold.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arnhold.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arnhold.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arnhold.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=897"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arnhold.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/897\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":898,"href":"https:\/\/arnhold.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/897\/revisions\/898"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arnhold.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=897"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arnhold.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=897"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arnhold.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=897"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}