{"id":1451,"date":"2020-05-25T11:48:38","date_gmt":"2020-05-25T11:48:38","guid":{"rendered":"http:\/\/hermann.arnhold.eu\/?p=1451"},"modified":"2020-05-25T11:48:38","modified_gmt":"2020-05-25T11:48:38","slug":"zuversicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arnhold.eu\/?p=1451","title":{"rendered":"Zuversicht"},"content":{"rendered":"\n<p>Durch meine ferne Jugend wieder schreit ich.<br>Ob es ein Traum ist oder Wirklichkeit?<br>Und jeder Schritt ins Damals hin erfreut mich:<br>Denn dieser Weg ist nie f\u00fcr mich zu weit.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Weg zur\u00fcck? Es ist mein Weg ins Heute!<br>Er war nicht leicht, mit Rosen nie bestreut.<br>Ich lie\u00df jedoch von meinem Stern mich leiten<br>und tr\u00e4umte meinen Traum in Freud und Leid&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Und jede Einzelheit von damals wei\u00df ich,<br>und froh erkenn ich jeden Baum und Strauch,<br>und alle Jugendleiden neu erleid ich,<br>und mich erfrischt der Jugendfreuden Hauch!<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wei\u00df es nicht: Sind es dieselben B\u00e4ume?<br>Sie gr\u00fcnten damals &#8211; rank und schlank &#8211; am Rain.<br>Ich wei\u00df es nicht: Sind es dieselben Tr\u00e4ume?<br>Ich hielt sie gern &#8211; denn jung ist jung &#8211; geheim&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kam der Krieg&#8230; Es ging ans B\u00e4umef\u00e4llen.<br>Im Sommer und im Winter, Tag f\u00fcr Tag.<br>Allm\u00e4hlich stand der dunkle Wald viel heller:<br>Der Ort der Handlung hie\u00df nun Holzeinschlag.<\/p>\n\n\n\n<p>Die B\u00fcgels\u00e4ge auf der m\u00fcden Schulter,<br>die schwere Axt fest in der rauhen Hand,<br>ging&#8217;s morgens fr\u00fch bergauf und berghinunter &#8211;<br>danach, wo sich der Holzschlag grad befand.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Waldesriesen st\u00fcrzten krachend nieder;<br>uns schmerzte jeder Baum, den wir gef\u00e4llt:<br>O klagt nicht, st\u00f6hnt nicht, weint nicht, gr\u00fcne Br\u00fcder, &#8211;<br>auch auf dem Schlachtfeld dort f\u00e4llt mancher Held!<\/p>\n\n\n\n<p>Und auch f\u00fcr uns ist das hier kein Vergn\u00fcgen.<br>Wir brechen selbst zusammen, matt und m\u00fcd.<br>Doch vorw\u00e4rts hei\u00dft&#8217;s allein: Wir m\u00fcssen siegen!<br>Und ohne Opfer gibt es keinen Sieg&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir scheuten weder Schnee noch Sturm, noch Fr\u00f6ste.<br>War&#8217;s vierzig unter Null, so stieg der Groll.<br>Wir schonten, wenn&#8217;s auch hart war, keine Kr\u00e4fte<br>und machten an Festmetern unser Soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn du die Tagesnorm da nicht erf\u00fclltest,<br>dann wurde kleiner deine Brotration.<br>Und hungrig du dich in die Decke h\u00fclltest<br>und tr\u00e4umtest blind die ganze Nacht davon,<\/p>\n\n\n\n<p>dich einmal, wieder einmal sattzuessen,<br>und hast am n\u00e4chsten Tag dich nicht geschont<br>und f\u00e4lltest, s\u00e4gtest, hacktest wie besessen,<br>denn deine Arbeit ward mit Brot belohnt&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Wo gab es Brot genug in jenen Zeiten?<br>In welchem Dorf? In welcher fernen Stadt?<br>Im Steppendorf, wo Weizenfelder reiften?<br>Im Sch\u00fctzengraben oder Leningrad?..<\/p>\n\n\n\n<p>Die Heimat brauchte &#8211; dringend -, um zu siegen,<br>Getreide, Kleider, Kohle, Erz und Holz&#8230;<br>Wenn wir zur Kama m\u00fcd hinunterstiegen,<br>so waren wir auf unser Tagwerk stolz&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Nun gute Nachrichten wir \u00f6fter h\u00f6ren.<br>Und hoch und h\u00f6her schl\u00e4gt auch uns das Herz.<br>Rot schl\u00fcpfen aus dem Schnee die Preiselbeeren.<br>Und unser Aufbauholz schwimmt flussabw\u00e4rts&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Doch dauert es noch lange, schwere Jahre,<br>bis in Berlin der Sowjetpanzer steht,<br>bis beigebracht dem Feind die Niederlage,<br>bis auf dem Reichstag unsre Fahne weht&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Dann rund um zw\u00f6lf erreicht auch uns die Kunde:<br>H\u00f6rt alle, h\u00f6rt: Zu Ende ist der Krieg!<br>Gekommen ist die langersehnte Stunde:<br>Im harten Kampf hat unser Land gesiegt!<\/p>\n\n\n\n<p>Umarmungen und Tr\u00e4nen: Frieden! Frieden!<br>Erhellt ist jeder Blick vom Freudenstrahl.<br>Und &#8222;Frieden! Frieden!&#8220; hallt im Wald es wider<br>hier oben an der Kama im Ural&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; * * *<br>Der Neunte Mai ist nicht mehr wegzudenken.<br>Er war und bleibt das gro\u00dfe Friedensfest,<br>Dem Frieden wir allein Vertrauen schenken,<br>weil er uns froh ins Morgen schreiten l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Es kann nur dann ein Ackerland ergr\u00fcnen,<br>wenn man&#8217;s bestellt, umsorgt und ihm vertraut:<br>Neu geht&#8217;s ans Werk, und auf den Kriegsruinen<br>wird jetzt ein neues Leben aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n<p>Rings reges Leben herrscht. Die G\u00e4rten bl\u00fchen.<br>Die Felder gr\u00fcnen. Neuland unterm Pflug.<br>Froh Kinderscharen durch die Stra\u00dfen ziehen.<br>Nun gibt&#8217;s f\u00fcr alle wieder Brot genug.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mensch braucht nicht nur Brot, auch Herzensg\u00fcte.<br>Der Mensch ist gut. Wenn er die Menschen liebt.<br>Das Gute vor dem B\u00f6sen zu beh\u00fcten &#8211;<br>ob&#8217;s eine Pflicht, die h\u00f6her ist, noch gibt?!<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Sinne wurden wir erzogen,<br>in diesem Geiste man uns stets erzieht.<br>Was unmenschlich und falsch ist und erlogen &#8211;<br>damit wird unerbittlich Kampf gef\u00fchrt&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich schau mit Stolz auf meine Enkelkinder:<br>Ja, meine Tr\u00e4ume wurden Wirklichkeit!<br>Gelingt es, den Atomkrieg zu verhindern,<br>erfreut sie eine hoffnungsvolle Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Und neu H\u00f6hen heute wir erklimmen.<br>Und neue Ziele werden angestrebt.<br>Drum brauchen wir den friedlich-blauen Himmel,<br>damit der Mensch in Gl\u00fcck und Wohlstand lebt&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Du, Heimat, sollst erbl\u00fchn f\u00fcr alle Zeiten!<br>Und droht ein Sturmtief deinem gr\u00fcnen Mai,<br>dann werden deine S\u00f6hne dir erstreiten<br>den blauen Himmel k\u00fchn und pflichtgetreu.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <em>&nbsp;1984<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Durch meine ferne Jugend wieder schreit ich.Ob es ein Traum ist oder Wirklichkeit?Und jeder Schritt ins Damals hin erfreut mich:Denn dieser Weg ist nie f\u00fcr mich zu weit. 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