{"id":1434,"date":"2020-05-24T10:28:17","date_gmt":"2020-05-24T10:28:17","guid":{"rendered":"http:\/\/hermann.arnhold.eu\/?p=1434"},"modified":"2020-05-24T10:28:17","modified_gmt":"2020-05-24T10:28:17","slug":"sonette","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arnhold.eu\/?p=1434","title":{"rendered":"Sonette"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a>Kalenderbl\u00e4tter<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p>Ich schicke dir Sonette.<br>Sie tr\u00f6sten dich vielleicht.<br>Es sind Kalenderbl\u00e4tter,<br>die meine Ehrfurcht schreibt&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, rote Rosen bl\u00fchten<br>im Reich der Zweisamkeit.<br>Und die Begierde gl\u00fchte<br>vor Freudetrunkenheit&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Sind jetzt die gr\u00fcnen Zweige<br>der Sehns\u00fcchte verdorrt?<br>So breche ich ihr Schweigen<br>mit einem Zauberwort:<\/p>\n\n\n\n<p>Und jede Zeile singt.<br>Damit ihr Weh verklingt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a>Dank<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p>Mein Herz hat sie geschrieben:<br>Vergissmeinnicht-Gedichte.<br>Du hast sie streng gerichtet:<br>Sie sind dir fremd geblieben&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt sammelst du die Zeilen<br>und spie\u00dft sie stumm auf Platten<br>und trocknest sie im Schatten<br>aus lauter Langeweile&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Auch das ist schon ein Dank:<br>So bleiben sie erhalten.<br>Trotz ihrer Kreuzigung&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Dann nehm ich deine Hand.<br>In meine. Und es waltet<br>Vers\u00f6hnung wiederum.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a>Glaube<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p>Ein helles Moment:<br>Sie blieben zusammen,<br>obwohl die Verdammung<br>brutal sie getrennt&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>O innere Pflicht:<br>Auch heut, da sie alt sind,<br>die Tage oft kalt sind,<br>verzagen sie nicht:<\/p>\n\n\n\n<p>Sie glauben der Stimme<br>der nahen Erl\u00f6sung,<br>die ihnen erscheint. &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt jenen Himmel,<br>der bald ihre Seelen<br>f\u00fcr immer vereint.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a>Verkannt<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p>Die Jahre warten nicht.<br>Sie haben Fl\u00fcgel.<br>So manches Traumgesicht<br>muss unterliegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vernimm den Augenblick,<br>solang sie offen &#8211;<br>die T\u00fcr zum Liebesgl\u00fcck:<br>Sie wird geschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn sie verriegelt ist<br>danach von innen,<br>so bist du \u00fcbel dran.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann hilft dir keine List.<br>Und kein Gewimmer:<br>Es bleibt dein Traum verkannt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a>Veilchen<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p>Sind die Sinne m\u00fcde?<br>Ist ihr Weg verschneit?<br>Wollen sie sich wieder<br>f\u00fcgen ohne Streit?<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne Aufbegehren?<br>Ohne Seelenkampf?<br>Ohne zu erkl\u00e4ren,<br>wer sie niederstampft?..<\/p>\n\n\n\n<p>Ach, die stille Liebe<br>ist ein zartes Veilchen,<br>das vor Gram verbl\u00fcht:<\/p>\n\n\n\n<p>Leidet, heimlich fiebernd<br>nach dem Gnadenzeichen,<br>das im All vergl\u00fcht.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a>Gestirne<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p>Der Mond und die Sterne<br>sind deine Begleiter.<br>Sie stimmen dich heiter.<br>Trotz endloser Ferne.<\/p>\n\n\n\n<p>Du deutest ihr Funkeln<br>als W\u00e4rme und G\u00fcte,<br>die heut dich beh\u00fcten<br>vor Unlust und Dunkel&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Und wenn die Gestirne,<br>die schimmern und schillern<br>am n\u00e4chtlichen Himmel,<br>dich sp\u00e4ter verwirren,<\/p>\n\n\n\n<p>f\u00fchlst du ihre K\u00e4lte,<br>die dich \u00fcberw\u00e4ltigt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a>Ohne W\u00e4rme?<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p>Die orphischen T\u00f6ne<br>verhallen allm\u00e4hlich.<br>Nun muss sich die Seele<br>an Stille gew\u00f6hnen.<\/p>\n\n\n\n<p>An Stille, die bohrend<br>die Sinne durchflutet<br>und fragend vermutet:<br>Ist alles verloren?<\/p>\n\n\n\n<p>Erdachte Gef\u00fchle?<br>Was kosten die Worte,<br>mit Feuer gesprochen?<br>Verwelken? Im Fr\u00fchling?<\/p>\n\n\n\n<p>Sich ewig nun h\u00e4rmen?<br>Allein? Ohne W\u00e4rme?<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a>Z\u00fcgelung?<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p>Das Schicksal wei\u00df so manches Mal<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; sich nicht zu helfen.<br>Es st\u00f6hnt und weint verwirrt.<br>Und einen Ausweg&#8230;<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ach, den findet es nur selten,<br>vom rechten abgeirrt&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Die b\u00f6sen St\u00fcrme fragen nicht<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; nach deiner Stimmung.<br>Sie toben teufelswild.<br>Die G\u00fcte ist bem\u00fcht,<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; die Schmerzen zu bezwingen:<br>Sie schont dich sanft und mild&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Und wenn die St\u00fcrme<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; sich allm\u00e4hlich wieder legen<br>und die Entbehrungen der Seele<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; wieder schwinden,<br>bist du erstaunt, warum<\/p>\n\n\n\n<p>dich ohne jeden Grund<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; so oft umgeht der Segen,<br>wo andere so leicht<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; bei Sturmwind Obdach finden.<br>Verdiente Z\u00fcgelung?<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a>Einsamkeit<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p>Orpheus, greife in die Saiten,<br>dass dein hohes Lied erschallt,<br>dass in allen, allen Breiten<br>deine Stimme widerhallt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ach, so viele Frauen leiden<br>unterm Frost der Einsamkeit:<br>Wo die Laster vorentscheiden,<br>fehlt die Wohlgewogenheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Schenke ihnen deine Lieder &#8211;<br>Lieder der Barmherzigkeit:<br>Und so manche finden wieder<br>ihren Weg trotz Gram und Leid.<\/p>\n\n\n\n<p>Rette die verschm\u00e4hten Seelen,<br>die sich durch das Leben qu\u00e4len!<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a>Lebensquell<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p>Sehnsucht, Schwester der Gef\u00fchle,<br>die wir Liebe nennen&#8230;<br>Oh, sie kann die Wunden k\u00fchlen,<br>die im Herzen brennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dort, wo ihre Blumen knospen,<br>triumphiert die Freude.<br>Und es gr\u00fcnt die stolze Hoffnung<br>auf der Flur der Tr\u00e4ume&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Mensch, errichte Monumente,<br>die die Liebe preisen<br>auf dem Erdenrund:<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne ihre Sakramente &#8211;<br>Oh, Natur, du weise! &#8211;<br>deine Welt verstummt.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <em>Den 30. Januar 1991<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kalenderbl\u00e4tter Ich schicke dir Sonette.Sie tr\u00f6sten dich vielleicht.Es sind Kalenderbl\u00e4tter,die meine Ehrfurcht schreibt&#8230; Ja, rote Rosen bl\u00fchtenim Reich der Zweisamkeit.Und die Begierde gl\u00fchtevor Freudetrunkenheit&#8230; Sind jetzt die gr\u00fcnen Zweigeder Sehns\u00fcchte verdorrt?So breche ich ihr Schweigenmit einem Zauberwort: Und jede Zeile singt.Damit ihr Weh verklingt. 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