{"id":1432,"date":"2020-05-24T10:11:19","date_gmt":"2020-05-24T10:11:19","guid":{"rendered":"http:\/\/hermann.arnhold.eu\/?p=1432"},"modified":"2020-05-24T10:11:19","modified_gmt":"2020-05-24T10:11:19","slug":"stanzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arnhold.eu\/?p=1432","title":{"rendered":"Stanzen"},"content":{"rendered":"\n<p>Statt freie Rhythmen schreibe ich dir Stanzen,<br>die heute l\u00e4ngst schon aus der Mode sind.<br>Denn alte Sorgen machen mir Gedanken,<br>was auch die Form der Aussage bestimmt&#8230;<br>Wenn ein Paar Reime aus der Reihe tanzen,<br>so ist wohl der Verlust nicht gar zu schlimm.<br>Die Stanzen sind, o Liebste, nur ein Zeichen,<br>um meinen Jugendtraum zu unterstreichen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a>Trennung<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p>Wir waren beide jung und unerfahren.<br>Das Reich der Tr\u00e4ume war unendlich gro\u00df&#8230;<br>Ich wollte mein Gef\u00fchl dir offenbaren,<br>doch deine Augen schwiegen hoffnungslos&#8230;<br>Dann kamen jene unmenschlichen Jahre&#8230;<br>Wer findet in der Trennung seinen Trost?!.<br>Jedoch die Jahre&#8230; Ach, die Jahre eilen.<br>Ob sie die Wunden jener Trennung heilen?<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a>Schweigen<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p>Du fragtest nicht danach, was mich bedr\u00fcckte.<br>Du f\u00fchltest nicht, wie meine Seele litt.<br>Dein hoher Gang, der mich so oft entz\u00fcckte,<br>verhalte wie ein leiser Tangoschritt&#8230;<br>Wenn deinen Mund ein feines L\u00e4cheln schm\u00fcckte,<br>so nahm es meinen Liebeskummer mit&#8230;<br>Und wenn nach Jahren ich dar\u00fcber schreibe,<br>so hei\u00dft&#8217;s, dass du gebrochen hast dein Schweigen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a>Schicksal<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p>Es war der letzte Tag. Sie mussten scheiden.<br>Und was f\u00fcr Tr\u00e4ume hatten sie gehegt!<br>Der schwere Abschied war nicht zu vermeiden.<br>Vom Schicksal war er ihnen auferlegt.<br>Sie ahnten nicht, was alles sie erleiden<br>noch mussten auf dem dornenreichen Weg:<br>Die Liebe strebt danach, ihr Gl\u00fcck zu schmieden,<br>doch weit nicht immer ist es ihr beschieden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a>Ged\u00e4chtnis<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p>Erinnerst dich daran, was l\u00e4ngs vergangen?<br>Ach nein, mein Herz, ich tadele dich nicht.<br>Du bist so oft in einem Rausch befangen,<br>wenn schon dein M\u00e4rchenreich zusammenbricht,<br>und \u00fcbersiehst die grelle Feuerflamme,<br>die gierig an der m\u00fcden Seele frisst&#8230;<br>Sind auch nicht alle F\u00e4den zu entwirren,<br>doch das Ged\u00e4chtnis l\u00e4sst sich nicht beirren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a>Wehmut<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p>Wenn warme Farben im Ged\u00e4chtnis gl\u00fchen<br>und an die T\u00fcr der Glaube leise klopft<br>und bunt die Fluren der Verhei\u00dfung bl\u00fchen,<br>bedeutet es, dass deine Seele hofft,<br>dass die Vermutungen vor\u00fcberziehen,<br>die deinen Himmel tr\u00fcbten viel zu oft&#8230;<br>Und frische Winde werden wieder wehen,<br>und deine stille Wehmut wird vergehen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a>Schlechter Rat<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p>Ich soll der Teilnahmslosigkeit vergeben,<br>auch wenn sie an den Rand mich morgen bringt?<br>Es sei auch ohnehin zu schwer zu leben?<br>Und Mitgef\u00fchl und Mitleid seien blind?<br>Es siege nur das Anpassungsverm\u00f6gen?<br>Das sei der Weg, der jeden Trotz bezwingt?..<br>Ich kann mich diesem Laster nicht verschreiben.<br>Drum soll mir dieser Rat gestohlen bleiben.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a>Gnade<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p>Es ist nicht leicht, die Wehmut zu verh\u00fcllen.<br>Dein Augenpaar verr\u00e4t den Liebeskummer&#8230;<br>Es hofft dein Herz: Warum dein Durst nicht stillen?<br>Und findet in der \u00d6de einen Brunnen,<br>der hier gebaut der Glaube deinetwillen,<br>damit die Schmerzen nach und nach verstummen&#8230;<br>So trinke, trink und danke jener Gnade,<br>die dich zu diesem Freudenfest geladen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a>Entheiligung<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p>Die Tr\u00e4nen des Gezweiges sind so bitter,<br>wenn \u00fcber Nacht die B\u00e4ume sich entlauben&#8230;<br>Es kam ganz unverhofft das Ungewitter,<br>um dich der Seelenruhe zu berauben:<br>Die St\u00fcrme der Entheiligung ersch\u00fcttern<br>sogar den tiefen, inbr\u00fcnstigen Glauben&#8230;<br>Und dennoch, Seele, sollst du wieder hoffen,<br>auch wenn das Missgeschick dich tief getroffen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a>Letzte Runde<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p>In meiner Seele wallen graue Nebel,<br>die vor Besorgnis dort erneut sich ballen&#8230;<br>Doch will ich meiner Leidenschaft vergeben,<br>wenn meine Stanzen, Liebste, dir gefallen&#8230;<br>Es hatte seinen Sinn &#8211; das Erdenleben,<br>muss auch sein Klang dereinst im All verhallen&#8230;<br>Verzage nicht, mein Herz, wenn deine Stunden<br>auch schon begonnen &#8211; ihre letzte Runde.<\/p>\n\n\n\n<p><em>9. Februar 1991<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Statt freie Rhythmen schreibe ich dir Stanzen,die heute l\u00e4ngst schon aus der Mode sind.Denn alte Sorgen machen mir Gedanken,was auch die Form der Aussage bestimmt&#8230;Wenn ein Paar Reime aus der Reihe tanzen,so ist wohl der Verlust nicht gar zu schlimm.Die Stanzen sind, o Liebste, nur ein Zeichen,um meinen Jugendtraum zu unterstreichen. 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