{"id":1419,"date":"2020-05-23T17:07:44","date_gmt":"2020-05-23T17:07:44","guid":{"rendered":"http:\/\/hermann.arnhold.eu\/?p=1419"},"modified":"2020-05-23T17:07:44","modified_gmt":"2020-05-23T17:07:44","slug":"skizzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arnhold.eu\/?p=1419","title":{"rendered":"Skizzen"},"content":{"rendered":"\n<p><a>Im Fotoatelier<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBitte, fotografieren Sie mich.<br>Zum siebzigj\u00e4hrigen Jubil\u00e4um.<br>Aber, na, \u00fcbersichtlich.<br>Da\u00df auf dem Foto ich 18 bin.\u201c<br>Es schaut mich der Meister an<br>von rechts nach links<br>und kratzt sich hinterm Ohr,<br>um besser nachzudenken:<br>\u201eTja&#8230; Wie Sie sehen&#8230;<br>Wissen Sie was, mein Herr,<br>schicken Sie mir f\u00fcr den Fall<br>mal lieber Ihren Enkel.\u201c&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a>Erwacht!<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p>Gerade wie im M\u00e4rchen:<br>Ein Queckengr\u00e4schen<br>sp\u00e4ht aus einem Ritz<br>und schaut sich um<br>da voll Verwunderung<br>und spitzt verschmitzt<br>die gr\u00fcnen Ohrchen<br>und h\u00f6rt: \u201eSumm-summ!\u201c<br>und l\u00e4chelt fein<br>und lispelt leise<br>eine schlichte Weise<br>vom hellen Sonnenschein.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a>Der Brunnen<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p>Ja, wer sucht, der findet:<br>Die Gedanken danken<br>herzlich den Gef\u00fchlen,<br>jeder leisen Regung<br>deiner stillen Liebe.<br>Und umarmt-umschlungen,<br>graben sie nun in der W\u00fcste<br>deiner Zweifel einen Brunnen,<br>um mit seinem edlen Na\u00df<br>die Setzlinge des Glaubens<br>an die Gnade zu besprengen&#8230;<br>Und die Wehmut schwindet.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a>Liebevoll<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p>Das welke Laub<br>der Herbste deiner Ahnen<br>d\u00fcngt besorgt die Fluren<br>deines jungen Fr\u00fchlings,<br>und du rufst entz\u00fcckt:<br>Es lenzt! O Gl\u00fcck!<br>Und die Gef\u00fchle<br>schm\u00fccken liebevoll<br>die Tempel der Erwartung<br>aus mit bunten Blumen<br>brennender Begierde<br>und mit blauen Tr\u00e4umen,<br>die dein naher Sommer<br>dann erf\u00fcllen soll.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a>Vom Wein der Zweisamkeit<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p>Oh, wer denkt an den Dezember!<br>Wenn der Mai die Trommel r\u00fchrt,<br>wenn da \u00fcber dem Gel\u00e4nde<br>hell die Lerche jubiliert;<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; wenn die Saaten saftig prangen<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; und die Wiese \u00fcppig gr\u00fcnt,<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; wenn am Hang die Tulpen flammen<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; und der Wald den Fr\u00fchling r\u00fchmt;<\/p>\n\n\n\n<p>wenn der Klang der blauen L\u00fcfte<br>dich wie Festmusik beschwingt,<br>wenn die Seele Lieder dichtet<br>und von Drang und Sehnsucht singt.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Nein, noch fern ist da dein Winter<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; und dein Weg unendlich weit&#8230;<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Und die Liebe? Soll sie trinken<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; sacht den Wein der Zweisamkeit!<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a>Gewitterwolken<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p>Ach, und jene Flammen&#8230;<br>Ach, und jene Tr\u00e4nen&#8230;<br>Denn es kam dein Sommer.<br>Doch statt helle Bl\u00e4ue,<br>die dein Herz erwartet hatte,<br>zogen sich Gewitterwolken<br>dort am Himmel deiner Tr\u00e4ume<br>unheilvoll zusammen&#8230;<br>Und es breiteten sich aus<br>die schwarzen Schatten<br>der Gewalt der Lumpenhunde<br>und der unerh\u00f6rten Frevel,<br>die die Menschlichkeit<\/p>\n\n\n\n<p>seit Anbeginn verh\u00f6hnen&#8230;<br>Oh! Und uns\u00e4gliches Leid<br>verschleierte dein Sehnen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a>Bittere Folgen<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p>Wohltat und Menschenw\u00fcrde<br>und offenes Mitempfinden<br>und Mut und N\u00e4chstenliebe<br>wurden verh\u00f6rt und verneint<br>und auf Scheiterhaufen<br>verbrannt, und die Asche<br>wurde frohlockend zerstreut<br>von der knochigen Hand<br>der sturen Unmenschlichkeit.<br>Und das giftige Unkraut<br>des Zwangs und der Willk\u00fcr<br>erstickte im Keim die Saaten<br>der ewigen sittlichen Werte<br>in unserem Riesenland&#8230;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a>Flammendes Fanal<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p>Die immer stille Qual<br>der sklavischen Ergebenheit<br>irrt zitternd durch die Gassen<br>ihrer grauen Ausweglosigkeit<br>und findet kein Erbarmen<br>und keinen Zufluchtsort<br>und mu\u00df &#8211; wie ehedem! &#8211;<br>am G\u00e4ngelband verharren&#8230;<br>Und dann entschlie\u00dft sie sich<br>und steckt entschieden &#8211;<br>wie vergeistigt! &#8211; ein Fanal.<br>Um die satte Aufgeblasenheit<br>der glatten Niedertr\u00e4chtigkeit<br>mit ihrem Flammenzeichen<br>zum allerletztenmal \u2013<br>befreit vom Joch! &#8211; zu warnen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a>Schock<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p>Die \u00fcppige Phantasie<br>hat sich im Fluge<br>die Fl\u00fcgel gebrochen<br>an der graniten Wand<br>der stupiden Verbohrtheit<br>und ist hinabgest\u00fcrzt<br>in den schimmligen Schlamm<br>der leeren Gedanken<br>der Gleichg\u00fcltigkeit&#8230;<br>Und wird sich die Kranke<br>allm\u00e4hlich erholen?<br>Und wird sie die Schranken<br>des Schocks \u00fcberwinden<br>und zur\u00fcck zu sich finden?<\/p>\n\n\n\n<p><a>O Seele!<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Erst Impressionen,<br>so herrlich, so g\u00f6ttlich!<\/p>\n\n\n\n<p>Danach Illusionen,<br>die Hoffnungen weckten.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann Depressionen,<br>die lange nicht weichen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>O Gott, was bedeuten<br>f\u00fcr mich diese Zeichen?..<\/p>\n\n\n\n<p>Und wenn ich verstumme?<br>Auch das ist ein Segen?<\/p>\n\n\n\n<p>Ein finsterer Tunnel&#8230;<br>und &#8211; ewiges Leben?..<\/p>\n\n\n\n<p><em>&nbsp;20.04.1991<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Fotoatelier \u201eBitte, fotografieren Sie mich.Zum siebzigj\u00e4hrigen Jubil\u00e4um.Aber, na, \u00fcbersichtlich.Da\u00df auf dem Foto ich 18 bin.\u201cEs schaut mich der Meister anvon rechts nach linksund kratzt sich hinterm Ohr,um besser nachzudenken:\u201eTja&#8230; Wie Sie sehen&#8230;Wissen Sie was, mein Herr,schicken Sie mir f\u00fcr den Fallmal lieber Ihren Enkel.\u201c&nbsp;&nbsp; Erwacht! Gerade wie im M\u00e4rchen:Ein Queckengr\u00e4schensp\u00e4ht aus einem Ritzund schaut &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/arnhold.eu\/?p=1419\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eSkizzen\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1419","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arnhold.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1419","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/arnhold.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arnhold.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arnhold.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arnhold.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1419"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/arnhold.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1419\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1420,"href":"https:\/\/arnhold.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1419\/revisions\/1420"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arnhold.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1419"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arnhold.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1419"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arnhold.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1419"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}